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Frank Deppenmeier via plandoo — September 2026

1. Der Streit, der die eigentliche Frage verdeckt

Es beginnt fast immer mit derselben Frage, meist gestellt von jemandem, der gerade ein Wochenendseminar oder einen LinkedIn-Beitrag hinter sich hat: "Arbeiten wir nach Kotter oder nach ADKAR?" Die Frage klingt kompetent, sie klingt nach Methode, sie klingt nach jemandem, der sich mit Change Management auskennt. Und sie ist, mit Verlaub, die falsche Frage – oder zumindest eine, die deutlich weniger über den Erfolg eines Veränderungsvorhabens entscheidet, als es die Vehemenz vermuten lässt, mit der sie in Steuerkreisen und Kickoff-Workshops diskutiert wird.

Der Markt für Change-Management-Modelle ist groß und wird kontinuierlich größer: Neben Kurt Lewins berühmtem Dreischritt und John Kotters Achtstufenplan konkurrieren ADKAR, die McKinsey-7S-Methode, Bridges' Transition Model, das Kübler-Ross-Trauerkurven-Derivat und ein gutes Dutzend Beratungshaus-eigene Varianten um die Gunst von Vorständen, die verständlicherweise nach einer verlässlichen Landkarte für unsicheres Terrain suchen. Die unbequeme Wahrheit, die dieses Paper im Folgenden entfaltet, lautet: Die prominentesten dieser Modelle – Lewin, Kotter, ADKAR, und, in einer Nebenrolle, Bridges – beantworten nicht dieselbe Frage, sondern mehrere verschiedene Fragen, die zufällig alle unter der Überschrift "Change Management" laufen. Zu allem Überfluss beruht mindestens eines der Modelle in seiner heute gelehrten Form auf einer Geschichte, die so nie stattgefunden hat – was diesem Paper seinen Titel gibt.

Wer das einmal verstanden hat, hört auf, sich zwischen Modellen zu entscheiden, als wären es rivalisierende Fußballvereine, und beginnt stattdessen zu fragen, welches Modell für welchen Teil des eigenen Veränderungsvorhabens die richtigen Fragen stellt. Das ist weniger elegant als ein einziges, in sich geschlossenes Framework an die Wand zu projizieren. Es funktioniert aber deutlich zuverlässiger – und es erspart der eigenen Organisation die Peinlichkeit, in zwei Jahren auf ein Modell verpflichtet gewesen zu sein, dessen Kernmetapher, wie sich zeigen wird, nie so gemeint war, wie sie heute verkauft wird.

Dieses Paper nimmt sich deshalb bewusst Zeit für etwas, das die meisten Change-Management-Vergleiche überspringen: die Entstehungsgeschichte jedes einzelnen Modells. Nicht aus antiquarischem Interesse, sondern weil sich am Entstehungskontext eines Modells fast immer ablesen lässt, welches Problem es ursprünglich lösen sollte – und damit auch, wofür es sich eignet und wofür eben nicht. Ein Modell, das aus der Beobachtung von hundert gescheiterten Konzerntransformationen entstand, beantwortet zwangsläufig andere Fragen als eines, das aus der Beratungspraxis mit einzelnen, veränderungsmüden Mitarbeitern hervorging. Diese Unterscheidung klingt banal, wird aber in der Praxis fast nie gemacht, weil Vergleichstabellen in Beratungsfolien Modelle grundsätzlich so nebeneinanderstellen, als wären sie austauschbare Werkzeuge für dasselbe Problem.

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